Buchkritik

Latein ist Tot, Es Lebe Latein

Wilfried Stroh

Autor:

Wenn man Bücher liest, ist es oft interessant zu wissen, wer der Autor eigentlich ist. Man neigt dann zwar viel zu schnell zu einer biografischen Literaturkritik, aber oft ist dieser Ansatz auch nicht ganz verkehrt.  Wilfried Stroh ist Professor  der klassischen Philologie in München. Dieser Mensch ist einer der wenigen, die ihr Berufung gefunden haben und dazu noch das Glück haben in dieser aufgehen zu können. Dieser Mensch ist ein Latein Verrückter. Er lebt und arbeitet am lebendigen Latein. Womit wir auch schon beim Buch wären.

Buch:

„Immortalis Latin. Latein ist Tot, es lebe Latein. Latein schaffte es unsterblich zu werden, weil es so viele Tode gestorben ist und trotzdem immer wieder wie ein Phönix aus der Asche kam.“  Diese Werbung für das Buch las ich in einer Buchkritik. Da ich selbst durch die Hölle des Lateins gehen wollte, dachte ich mir das wäre der richtige Stoff für die Pausen des Lernens.

Ich las es mit viel Lust nach meinem Latinum. Dieses Buch offenbart die Leidenschaft des Wilfried Stroh´s. Er repetiert auf 324 Seiten die Entwicklung des Lateins. Man kann schon fast von der Evolution des Lateins sprechen. Hier hält sich der Autor nicht nur an der Zeittafel fest, sondern schafft es in viele andere Themengebiete einen umfassenden Einblick zu geben. Natürlich nur in den Bereichen wo das Latein direkte, handfeste Berührungspunkte hat. Die Heldin dieser Geschichte, wie der Professor das Latein liebevoll nennt, ist nicht nur aufgrund ihres Ranges einer ehemaligen Weltsprache für die Literaturgeschichte verantwortlich, sondern auch für vieles mehr. Der Philologe beschreibt wie Latein für die Herausbildung des Humanismus, des Unterrichtscanon und der deutschen Literaturgeschichte verantwortlich ist. Hier wird jedem großen Lateiner von Bebel über Cicero, Erasmus, Melanchthons und Hieronymus ein kleines Kapitelchen gewidmet. Der lateinverrückte Herr Stroh schaffte es beim Leser ein liebliches Gefühl für die Sprache hervorzurufen. Ob dieses Gefühl dafür ausreicht um sich der Intention des Autor´s, nämlich die Sprache zu lernen, hinzugeben, weis ich nicht. Das Buch weckt in einem aber schon das Interesse sich mit Rhetorik und Literatur auseinander zusetzen.

Der Schreibstil des Professors ist flüssig und bedient sich einer Sprache die der Thematik angemessen ist. Der Philologe hat es nicht nötig mit möglichst vielen Fremdwörter, wie sie gerne Umberto Eco benutzt, zu zeigen wie gebildet er doch ist. Wilfried Stroh möchte nicht nur unterhalten, sondern dem Leser auch gleich Latein als solches nahe bringen. Das Buch ist gespickt mit lateinischen Zitaten, die immer im Anschluss übersetzt werden. Des Weiteren bindet er in den Fließtext die lateinischen Vokabeln ein, die der Leser fast schon automatisch mit lernt.

Latein ist Tot, Es Lebe Latein verfügt über Witz und Charisma ohne jedoch den wissenschaftlichen Anspruch zu verlieren. Dieses Buch ist für das Allgemeinwissen eines jeden eine Bereicherung, da die Autoren weltweit bis zum aufkommenden Nationalismus nur eine Sprache kannte, das Latein.

Viel Spaß beim Lesen Ossi

7.10.09 20:18

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