Buchkritik "Geschichte eines Deutschen"

Autor:

Sebastian Haffner ist geboren in Berlin mit dem Namen Raimund Pretzel. Er ging mit Erich Mielke und Horst Wessels in dieselbe Klasse. Haffner publizierte für den Observer, Stern und verschieden andere Zeitschriften. Des Weiteren war er auch Verfasser von mehreren Büchern, in denen er sowohl aktuelle Geschehnis in den Blick nahm als auch die Vergangenheit analysiert und kritisch betrachtete. Was mich doch an seinem Lebenslauf sehr verwundert, ist dass er nie eine Professur oder gleiches hatte, obwohl er doch eine gewichtige historische Meinung hatte.

Buch:

„Geschichte eines Deutschen“ ist die  Geschichte eines Deutschen von 1914 bis 1933. Sebastian Haffner beschreibt seine ganz persönlichen Eindrücke der damaligen Zeit. Er stellt zum Beispiel die These auf, dass die damalige junge Generation zwischen 10 und 20 Jahren den ersten Weltkrieg nur als Spiel wahrgenommen hat. Wie allgemein bekannt ist, hat der erste Weltkrieg nicht auf deutschen Boden stattgefunden. Die Jugendlichen haben zwischen 1914 bis 1918 nur mit Zahlen gespielt und Manöver durchgeplant. Die damalige Generation hat zwar die Folgen des Krieges kennen gelernt, aber nicht das Grauen des Krieges selbst. Aufgrund dessen konnte Hitler damals den zweiten Weltkrieg vorbereiten, weil die Deutschen einfach immer noch glaubten, dass Krieg Zahlen und Manöver sind. Daraus resultiert, dass eine ganze Generation seine Wiederholung plante.

Das Buch stellt nicht nur historische Thesen auf, sondern Sebastian Haffner erzählt auch von den Menschen und ihrem Leben im Berlin. Zudem verwebt er seine privaten Erlebnisse mit den historischen Ereignissen. Dies ist zwar ein ganz normaler Gegenstand der Geschichte, zum Beispiel wissen wir alle, was wir am 11. September getan haben, aber wir reflektieren unser handeln nicht mit den politischen Geschehnissen. Das Buch spiegelt nicht nur die Gedanken des Sebastian Haffners wieder, sondern auch die von anderen Berlinern verschiedener Herkunft und Denkweisen.

Die „Geschichte eines Deutschen“ ist in drei Teile, Prolog, Die Revolution und Abschied, geteilt. Im ersten Teil beschreibt Sebastian Haffner in 15 Kapiteln, wie seine Kindheit verlaufen ist. Er erläutert seine Gedanken in einer Zeit, die einem ständigem Wandel unterliegt und beschreibt diesen auch ziemlich detailliert.

Im mittleren Teil „Die Revolution“ erläutert Sebastian Haffner wie sein Leben, mit dem aufstreben Naziregime, verläuft. Er schildert dem Leser, wie die Nazi sich immer mehr in das Leben von ihm und seinen Freunden einmischen. Haffner vergisst dabei aber nie die aktuelle Politik zu reflektieren.

Der letzte Abschnitt des Buches Kapitel 26 bis 33 sucht Sebastian Haffner immer wieder nach Rechtfertigungen, warum er das Land verlassen muss. Die gute alte Freundin, die ihn besucht bestärkt ihn in dem „Abschied“, weil mit ihr das Leben wieder schön ist. Durch diese Figur entzieht sich Haffner dem realen Leben und stützt doch im selben Moment, in dem er der Verblendung entzogen wird, wieder hinein.

Das Buch ist schön geschrieben. Menschen die sich langsam einer historischen Wirklichkeit nähern wollen, sind bei Haffner richtig. Haffner schreibt im Romanstil und begründet doch immer mit fundamentierten wissenschaftlichen Argumenten. Wer wissen möchte, wie damals ein Teil der Deutschen gedacht hat und warum sich das nationalsozialistische Gedankengut so verbreiten konnte, versteht dass durch dieses Buch sicherlich ehr als durch „Die Welle“. „Die Welle“ will dem Leser zeigen, dass dies durch Gruppenzwang geschah. Sebastian Haffner erklärt, dass dies durch Zwang geschah. Nicht durch den Zwang den man in einem Freundeskreis kennen lernt, sondern Zwang, der einen in allen Bereichen des sowohl öffentlichen, als auch des privaten Lebens, terrorisiert. Dieses Buch ist es Wert gelesen zu werden, wenn das Handeln der Menschen verstehen möchte..

Viel Spaß beim bilden Ossi

29.10.09 06:55

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